Mittwoch, 27. August 2008

Mein erstes Wochenende in Paris (besser gesagt in Versailles) (23./24.August 2008)

Tja, ich mache keinen Stopp bei meinen Sightseeingtouren. Samstagabend bin ich mit meiner Mitbewohnerin mit dem RER in eine Vorstadt von Paris gefahren. RER ist so etwas wie eine Mischung aus S-Bahn und Regionalbahn. Ich finde die Bahnhöfe hier recht kompliziert, weil es immer verzweigte Wege gibt und man sich immer gleich entscheiden muss, denn alle anderen rennen einen sonst um oder gucken einen böse an (weil Pariser grundsätzlich keine Zeit haben. Es gibt zwar nirgends Uhren, wie mir aufgefallen ist, aber eins ist sicher: Keine Ahnung wie spät es ist, aber ich bin auf alle Fälle spät dran, sagt sich der Pariser). Ich hatte ja Célia dabei, die sich hier auskennt und so war es kein Problem. Aber wenn ich das mal alleine machen muss, wird das was. Wir sind dann in ihren Heimatort raus gefahren, wo ich dann ihr Zuhause gesehen habe und ihren Vater kennen gelernt habe. Ihr Vater ist ein netter Mann und typisch französisch. Ich weiß nicht, was das typische französische ausmacht, aber ich weiß, dass es das ist, wenn ich es sehe. Wir haben dann Barbecue gemacht (ja, typisch französisch..hi). Steak, Würstchen (mit rotem Fleisch, sehr würzig, aber lecker), Baguette (naturellement), Salat, Tomaten, einem guten Roséwein und am Schluss Käse naturellement. Alles sehr lecker. Ihr Vater hat schön langsam geredet und so hab ich sogar eins zwei Sätze mit ihm gewechselt. Célia und ich sind dann im Ort spazieren gegangen und habe das obligatorische Gespräch über Schimpfwörter geführt und was es für eine Jugendsprache in Frankreich gibt. Die jungen Franzosen (die Rakeije) vertauschen nämlich heutzutage gerne die Silben. Somit wird aus bizarre zarrebi.

Na klar, nicht dass es für einen Außenstehenden nicht schon schlimm genug ist Französisch immer zweimal zu übersetzen (erstmal verstehen, was der nette Franzose in seiner Verschleifungswut (Endungen miteinander verbinden, sodass ein Satz sich wie ein Wort anhört) gesagt hat und dann noch wissen, was die Wörter bedeuten), nun muss man auch noch ein drittes mal übersetzen und alle Silben wieder zurücktauschen…Es scheint fast so, als wenn die Franzosen unbedingt wollen, dass man sie nicht versteht…

Abends sind wir dann mit zwei Freundinnen von Célia mit dem Auto nach Versailles gefahren, was in der Nähe von Célias Heimatort liegt. Ja, ich bin mit Franzosen Auto gefahren…

Ich meine, Franzosen sehen ein Auto generell als Gebrauchsgegenstand an und sehen kein Problem darin, wenn man beim Einparken mit der Stoßstange nicht mindestens 10 mal Kontakt mit den anderen Autos hat. Auch beim Autofahren scheinen sie nie Zeit zu haben, oder besser gesagt keine Geduld. Anscheinend fehlt Franzosen einfach das Warten-Gen. Sie kommen ohne Probleme in 5 Sekunden von 0 auf 50kmh ( und erstaunlicherweise ohne jemals die Höchstgeschwindigkeit zu überschreiten), das auch in so einer schmalen Straße, wo eigentlich nur ein Auto reinpasst und die auch nur ein paar Meter lang ist, aber egal. Die Franzosen haben auch keine Linien auf der Straße. Ich mein selbst wenn, wären die ihnen herzlich egal, denn man wechselt die Spuren hier im Sekundentakt und bei schätzungsweise 10 Spurenwechseln wird 1 mal geblinkt.

Als wir in Versailles angekommen sind, war die ganze Stadt schon voll, denn schätzungsweise 13 Millionen Menschen waren da, um sich, wie wir, das Spektakel im Garten des Schlosses anzugucken. Mit Parken direkt vor dem Schloss war also nichts. Wir haben dann einen Parkplatz gefunden und sind im Laufschritt zum Schloss, weil wir schon spät dran waren. Tja, das Schloss ist schätzungsweise 10 mal größer als die kleine Kopie in Potsdam (Sans Souci). Auf dem Gebiet, das das Schloss und der Garten einnehmen, hat locker eine kleine Stadt Platz. Wäre mir persönlich ja ein bißchen zu groß und zu einsam so als einzelne Person, aber Lui Quatorze hat es anscheinend gefallen.

Es war also die große Nacht im Garten von Versailles, was heißt, dass der ganze Garten hell erleuchtet ist, dass alle Fontänen der Sprungbrunnen an sind, dass es Lasershows und thematisch gestaltete Springbrunnen gibt und dass überall klassische Musik zu hören ist. Man konnte erstmal durch den ganzen Garten wandeln und sich alles genau angucken, um sich dann einen guten Platz für das große Finale, ein Riesenfeuerwerk (schätzungsweise 15 Minuten lang), zu suchen.


Célias Freundinnen waren sehr nett und haben begeistert erstmal alle deutschen Brocken, die sie kannten rausgekramt und zum besten gegeben. Ansonsten haben wir uns (holterdipolter meinerseits) über Französisch unterhalten und behelfsweise auch in Englisch, was ziemlich gut ging für Franzosen.

In Paris selbst sind die typischen Pariserinnen eher ernst, haben nie Zeit und lächeln nie (nicht, weil sie nicht glücklich sind, nur um zu vermeiden, dass irgendwelche Idioten einen plump ansprechen). Mit Célias Freundinnen habe ich die andere Seite der Französinnen kennen gelernt: plappernd und gackernd wie die Hühner, lachend und stark gestikulierend mit viel Mimikspiel; also wie meine Freundinnen und ich, wenn wir uns treffen).

Der Abend war sehr schön, aber leider waren die Batterien meiner Kamera schnell alle und so konnte ich nur ein Bild vom Schloss machen…Ich weiß, schlecht vorbereitet. Ich hoffe, dass ich mir das ganzen noch mal angucken kann in den 6 Monaten hier und dann werde ich die Japanerinnen vor Neid erblassen lassen durch meine Knipserei…hi.

Den nächsten Tag haben wir ausgeschlafen und wurden dann von Célias Vater nach Hause (nach Paris) gefahren.

Tja, und ich dachte, dass ich nun weiß wie die Franzosen fahren, aber diesmal war es noch einen Zacken schärfer (Mutti, bitte hab keine Angst um mich, irgendwie schaffen die Franzosen es trotzdem nie einen Unfall zu bauen….keine Ahnung wie). Wir sind nach Paris reingefahren und in den Kreisverkehr des Arc de Triomphe gefahren, der auch keine Linien hat und somit alle irgendwie fahren. So sind aus 4 möglichen Spuren 6 bis 7 geworden, in denen es kein Problem ist 3 Spuren auf einmal zu wechseln….Den Rest des Sonntags habe ich versucht, mir noch ein bißchen von Paris anzugucken, was am londonmäßigen Wechselwetter gescheitert ist.

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