Mittwoch, 27. August 2008

Kuriositäten aus Paris


Metro:

Nachteil: schwül warm durch die ganzen Menschen, die damit fahren (somit kann man sich warm anziehen, weil es draußen kalt ist und muss dann aber alles wieder ausziehen, weil man in der Metro schwitzt)

Vorteil: es ist das zweitbeste ausgebaute Bahnnetz der Welt und man kann auf jeder Metrolinie in jede andere wechseln

Viele Metrostationen sind besonders gestaltet. An der Decke der Metrostation an der Sorbonne hat die Namen der Persönlichkeiten, die an der Sorbonne gewirkt haben, an der Decke.

Nachteil: man kann nur rein (also durch die Schranken durch), wenn man ein Ticket hat. Ich habe ein Wochenticket, was aber nur sporadisch funktioniert, weil sie gerade (natürlich) das System umstellen. Die alten Karten gehen also eigentlich nicht mehr, aber die neuen werden noch nicht verkauft. Also gehe ich oft zur Information und frage hilflos „Pourquoi? (Warum?)“. Die Metrodamen wissen es meist auch nicht und lassen mich so durch die Schranken. Aber es nervt und ich versteh echt nicht, was mit der kaputt ist.

Vorteil: die Metro kommt alle 5 Minuten pünktlich, oft sogar früher als angezeigt.

In der Metro selbst kann man Kilometer zurücklegen. So lange Wege zwischen Bahnsteigen oder zum Ausgang kenn ich aus Berlin nicht. Oft gibt es auch viele Verzweigungen und mehrere Ausgänge, was für einen Neuling viele Probleme in sich birgt.


Ampeln:

es gibt sie….meist nur zur Zierde, denn es ist völlig egal, ob es rot ist, wenn doch die Straße frei ist und wie gesagt der gute Franzose keine Zeit zum Rumstehen hat. Aber man bleibt stehen, wenn Autos etc. fahren….wäre ja auch ein bißchen doof, wenn man sich mit seinem Körper mit einer Karosserie anlegt…


Wurst:

Der Franzose hat keine Ahnung von Wurst. Hier gibt es sehr wenig Wurst und wenn, dann mit viel sichtbarem Fettanteil drin. Leberwurst gibt es, aber meist in der Dose (also mit Fett/Schmalz oben drauf) oder abgepackt ebenfalls mit Fett/Schmalz auf der einen und vertrockneter Leberwurst auf der anderen Seite.

Käse:

Es gibt ihn in allen erdenklichen Formen und Arten. Im Supermarkt sind eher die deutschlandfreundlichen Arten wie Gouda, Maasdammer und Ehrdammer zu finden, aber in einer Fromagerie gibt es natürlich alles Geruchsformen von Käse, die oft auch sehr lecker sind außer, wenn sie exakt wie ein Ziegenstall schmecken.


Essen im Allgemeinen:

Der Franzose ist gerne süß. Zum Frühstück gibt es „Pain au chocolate“ (Schokobrötchen), Croissant (hier gibt es auch Croissants mit Pfirsich drin) oder Weißbrot mit Nutella. Der Franzose ist schockiert und angeekelt über das deutsche herzhafte Frühstück mit Wurst und Käse. Es gibt überall Crêpes, meist noch mit süßem Aufstrich. Der Franzose mag es aber auch gerne frisch und gesund und kauft gerne frischgepressten O-Saft.


Benehmen:

Der Franzose ist sehr stolz auf sein Land und seine Sprache und besteht auf Höflichkeit. Wer also die geläufigen Umgangsformen nicht kann, hat schlechte Karten. Also, niemals „Salut“ zu Fremden sagen (das sagt man nur zu Freunden); wenn man irgendwo durch will immer (!) „ Pardon“ oder „Exusez-moi“ sagen; am besten immer erstmal in Französisch anfangen, manchmal merken sie es ziemlich schnell, wenn man nicht von hier kommt, und sprechen langsamer und deutlicher oder sogar (in seltenen Fällen) mit Englisch.


England und Frankreich:

Sie mögen sich nicht….so ist es und so wird es wahrscheinlich auch bleiben. Franzosen denken, die Engländer sprechen sooooo schnell (witzig ne?) und haben einen schlimmen unverständlichen Akzent. Wenn etwas englisch ist, dann amerikanisch (was man im Fernsehen oft sieht).


Touristen/Menschenmassen:

Werden rigoros von Parisern verabscheut und möglichst gemieden!!!


Französisch/oder das Deutsch der Franzosen:

Es hört sich immer wie ein Befehl an. Die Sprache selbst ist sehr schnell und wird meist ohne ein Lächeln vorgetragen, was ironischerweise auf uns sehr unhöflich wirkt (dabei legen die Franzosen so viel Wert auf Höflichkeit, was sich aber eher in der Wortwahl als in der Gestik oder Mimik niederschlägt). Wenn sie Deutsch sprechen hört es sich noch gebieterischer an, weil sie alles eins-zu-eins übersetzen und dann Sachen sagen wie: Du wirst das und das tun, anstatt zu sagen Du gehst am besten dort hin und machst das und das.


Die typische Pariserin:

Erkennt man immer in der Masse, weil sie ein bestimmtes Auftreten und einen gewissen Stil hat. Dieser Stil ist nicht richtig zu definieren, aber wenn man eine sieht, weiß man, dass es eine ist. Sie schafft es, durch ihre bloße Anwesenheit, das Selbstvertrauen aller anderen in einer Sekunde zu vernichten. Ich weiß, nicht warum, aber in dieser Stadt achtet man noch mehr auf seine Garderobe. Und ich habe anscheinend nur falsche Sachen dabei, denn egal was ich kombiniere, es sieht immer schlecht und plump aus.

Die Französin zieht sich en vougue an, was zur Zeit Leggings mit Hemden und Gürteln sind, meist in Silber und Lila. Sie hat immer schicke Schuhe an, zur Zeit oft silberne Römerlatschen (wie wir sagen würden). Die Stoffe sind eher natürlich und meist in Naturtönen gehalten: Braun, Beige, Schwarz, Grau. Sie trägt eigentlich kaum Make-up, weil sie auch so gut aussieht. Ihre Haare sitzen immer bzw. sehen gut aus, egal ob sie zerstrubbelt sind oder komisch zusammen gemacht sind. Die typische Pariserin macht Sport und liest immer etwas in der Metro (und sei es die kostenlose Zeitung, die in der Metro rumliegt). Zusammenfassend schafft sie es, dass man selbst immer falsch angezogen ist (vom Stil her und fürs Wetter eh, weil es hier bis jetzt immer wechselhaft war) und auf einmal Trends gut findet, die man vorher nicht verstanden hat. Der Mensch ist eben ein Herdentier und möchte zur Herde gehören….Frauen ganz besonders….und noch stärker in Paris.


Der typische Pariser:

existiert, ist aber kaum festzumachen an bestimmten Merkmalen oder Äußerlichkeiten. Wenn man ihn sieht, weiß man, dass es einer ist und ist sogleich hingerissen….besonders wenn er einen mit „Enchanteé“ begrüßt.


Apotheken/Pharmacie:

Wie schon erwähnt, gibt es sie alle 10 Meter, um den hypochondrischen Pariser zu beruhigen. Sie sind mit blinkenden leuchtenden Zeichen versehen, damit man sie immer findet.


Arbeitszeiten:

Der geneigte Pariser beginnt allerfrühestens um 10 Uhr mit der Arbeit. Mittags wird dann erstmal 1 ½ Stunden Mittagspause gemacht. Letztendlich arbeitet man bis 20 Uhr, was auch erklärt, dass die Primetime in Frankreich um 20.50 Uhr ist.


Preise:

Lebensmittel und Mode ist hier teuer. Kosmetika ganz besonders, so kann man z.B. Haarspray für 10 Euro kaufen. Auf alle Preise für Lebensmittel in Deutschland kann man cirka 1 bis 2 Euro drauflegen. Ins Kino kann man für 9,50 Euro gehen, wenn man in ein Kino einer Kette geht, in dem auch internationale Filme gezeigt werden. In Kinos, die französische Filme zeigen, ist es preiswerter, aber da versteht man dann eben nichts….

Die Franzosen haben auch ein anderes Verständnis zwischen Preis und Qualität. Wenn man etwas Gutes sucht, verweisen einen die Franzosen gleich auf Marken wie Yves Saint Lauren etc. Meist gibt es auch nur Billigware und Designerware, etwas dazwischen gibt es oft nicht, außer internationale Marken wie H&M.

Der Wohnungsmarkt ist exorbitant teuer. Wenn man nur ein Zimmer sucht, starten die Preise bei 400 Euro und steigen bis auf 1000 Euro. Wohnungsangebote sind in Sekundenschnelle weg. Viele bieten ihre Zimmer an und behaupten immer, dass das für die Gegend ein wirklich günstiges Angebot ist…na ja.


Telefonieren:

In Frankreich gibt es ein Festnetzangebot, dass kostenloses Telefonieren ins komplette Ausland und ins Handynetz von Ländern mit Französisch als Landessprache beinhaltet (wie z.B. Quebec meine liebe Rike). Tja, die Franzosen und ihre Frankophonie.

Türcodes:

Es gibt kein Haus und dort keine Türen ohne einen Türcode. Es gibt dafür auch keine Klingeln, um jemanden zu erreichen. Entweder man weiß den Code oder man hat Glück und gerade kommt jemand rein/raus. In den Vororten ist das nicht anders.


Ferien:

Im August ist eigentlich alles stillgelegt, weil die Franzosen alle kollektiv Ferien machen. Alle Pariser sind ausgeflogen und alle Bäckereien (boulangerien) sind geschlossen. So etwas ist in Deutschland unmöglich!

Tauben und Spatzen:


Sie sind überall, die Ratten von Paris. Sie werden von den Touristen bestaunt, weil sie sehr zutraulich sind und einem auf den Arm fliegen, und werden von den Einheimischen gehasst, weil sie überall sind und nur Millimeter vom eigenen Kopf vorbeifliegen.

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